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Aus Englebert wurde Uniroyal:
Wie ein Unternehmen aus Lüttich zum Global Player wuchs

06.03.2009

Hannover / Genf, im März 2009. Vor über 140 Jahren eröffnete Oscar Englebert ein kleines Geschäft für Kautschukartikel. Was anfangs nicht gut lief, entwickelte sich besonders durch die Motorisierung zu einem lukrativen Gewerbe. Englebert schrieb ein hochinteressantes Stück Wirtschaftsgeschichte.

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Schon 1868 eröffnet der ehemalige belgische Artillerie-Offizier Oscar Englebert ein Geschäft mit Kautschukartikeln. So etwas gab es bis dahin in Lüttich nicht. Am Place aux Chevaux verkaufen sich die neumodischen Gummiwaren allerdings mehr schlecht als recht, Papierwaren verstärken den Umsatz. Zwei Jahre später steigt die Nachfrage jedoch sprunghaft an.

Die Firma schaffte es, sich zu behaupten und weiter auszudehnen. Oscar Englebert nahm seinen Bruder Gabriel, ein Diplom-Ingenieur, in die Firma auf und übertrug ihm den technischen Aufgabenbereich, er selbst wollte sich um die kommerzielle und personelle Seite kümmern. Bald darauf stirbt der Bruder jedoch, alle Hoffnungen ruhen auf Sohn Oscar Englebert jr., der noch Student war. Eine schwere Krankheit zwingt den Gründer, die Leitung des Werkes bald auf diesen Sohn zu übertragen.

Die Errichtung einer Gummifabrik bedurfte 1877 wie heute der gesetzlichen Genehmigung. Die erhielt Oscar Englebert am 19. Dezember 1877. Vom Schnuller bis zum Kohlengruben-Förderband für den Kongo produzierte Englebert alle möglichen Dinge, sofern sie nur aus Gummi bestanden. 1895 beginnt die Geschichte erst richtig, als erstmals Reifen ins Programm aufgenommen wurden: Fahrradreifen und -schläuche.

Geschickte Frauenhände eigneten sich am besten für die Reifenherstellung, weshalb der weibliche Anteil an Arbeitnehmern bei Englebert überwog und der Fabrik den Namen „Harem von Lüttich“ einbrachte. Um die Jahrhundertwende war „Michelin“ oft noch Synonym für Reifen, Englebert jedoch stellte nicht nur seine Marke her sondern fertigte auch für die deutsche Continental AG. Mit Autorennen suchte er dann aber die Popularität der eigenen Fabrikate zu mehren, was auch nachhaltig gelang. Das Journal de Liège schrieb schon 1899: „Während des Autorennens von Paris nach Amsterdam waren nicht wenige Teams glücklich, solch eine gut ausgerüstete Reifenfirma in Lüttich gefunden zu haben, als ihre x-, y- und z-Reifen miserabel versagten, und Englebert es diesen Teams ermöglichte, ihre Rennen zu beenden.“

Schlagartig berühmt machte ein Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans, als mit Englebert-Serienreifen ohne Reifenwechsel ein Sieg gelang. Solche Reifenwechsel schienen bis dahin unausweichlich. Fortan galten die Engleberts als die Rennreifen schlechthin. Stuck, Nuvolari und Fangio fuhren auf Englebert, Enzo Ferrari setzte sie vor und nach dem Krieg auf seinen Fahrzeugen ein. Ähnliche Erfolge gab es bei Rallies.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurden die Englebert-Werke stillgelegt und die Ausrüstung abtransportiert. Oscar II und Georges unterstützen die arbeitslose Belegschaft aus ihrer Privatschatulle, was dazu führte, dass die Belegschaft 1919 fast vollständig bei den neu eröffneten Werken wieder antrat. Dies trug zu dem bis heute spürbaren Zusammengehörigkeitsgefühl bei, das Uniroyal-Mitarbeiter nicht nur verband sondern auch zu zahlreichen Erfolgen beflügelte.

Ab 1919 hatte Englebert eine Handelsvertretung in Köln. Die hohen Zölle auf importierte Gummiwaren ließ manche von den zwei Dutzend Englebert-Mitarbeitern zu Tricks hinreißen: Sie zogen bei ihrer Reise über die Grenze zwei Englebert-Impermeables (Regenmäntel) übereinander an.

Ende der 20er Jahre trafen sich Georges Engelbert und der amerikanische Ingenieur eines Reifenkonzerns, Matthieu Marquette, zufällig bei einem Mittagessen in einer Gaststätte. Aus dieser Begegnung entwickelte sich der Vorschlag Engleberts, in Deutschland eine Reifenfabrik zu gründen. Marquette nahm den Auftrag an und reiste schon am nächsten Tag nach Aachen.

Nach monatelangem Zerren zwischen dem damaligen Stadtdirektor von Aachen und dem Oberbürgermeister von Köln, dem späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer, erhielt Aachen den Zuschlag als neuer Werksstandort. Das Gelände des ehemaligen Hüttenwerkes Rothe Erde war äußerst günstig zu erwerben - unter der Bedingung, dass mindestens 300 Arbeitskräfte zehn Jahre lang beschäftigt würden. Köln hatte das Nachsehen.

In Aachen wurden zunächst nur Fahrradreifen gebaut, 1931 kamen Pkw- und Motorradreifen dazu. Marquette verließ Aachen erst 1940, als Nazideutschland längst den Ton in der Kaiserstadt bestimmte. Alliierte Bomben zerstörten das Werk, doch die Aachener bauten es vor der Invasion wieder auf. Am Ende des Krieges beschlagnahmten die Amerikaner die heil gebliebenen Reste als Panzerreparaturwerkstätte. Der insgesamt gute Zustand erlaubte dann schon im Februar 1946, die Produktion erneut zu starten.

Reifen waren eine hochwertige Tauschwährung - ein Mitarbeiter: „Mit einer Garnitur Reifen konnte man damals den Teufel aus der Hölle holen.“ In den ersten Jahren nach dem Krieg war Englebert die einzige Firma in Deutschland, die schon wieder Rennreifen baute. Albert Englebert, der Sohn von Georges wurde Co-Manager der Firma.

Die vorausschauende Einstellung Albert Engleberts führt zu einer europäisch orientierten Organisation und läßt ihn die Internationalisierung betreiben. Nach dem Bau des Aachener Werks (1929) entstanden Fabriken in Frankreich (1936) und England (1967). Clairoix in Frankreich lieferte oft brillante Ideen, beispielsweise für optimierte Produktionsmaschinen. Weitere Werke kamen dazu: in Luxemburg und in der Türkei (Adapazari, frühe 60er Jahre).

1948 gab Englebert belgischen Städten und Ortschaften, was in anderen Ländern längst üblich war: Ortseingangsschilder. Uniroyal zahlte die Schilder und erleichterte Autofahrern damit die Wegweisung.

1958 wurde Englebert zum Global Player. Im Verbund mit US Rubber wuchs der bis dahin fünftgrößte Reifenhersteller der Welt zum drittgrößten. Täglich 170 000 Reifen, 70 000 Beschäftigte in 89 Werken und das größte Reifenversuchsgelände der Welt sind die Eckdaten. Es wurden nicht nur Reifen gebaut. Weltweit stellte niemand mehr Feuerwehrschläuche, mehr Badekappen oder mehr Golfbälle her.

Reifen machten stets den Großteil der Poduktion bei Uniroyal-Englebert aus, doch prägte auch Erfindungsreichtum die Firma. So geht der Zahnriemen auf Uniroyal zurück oder auch der Gummitank und ein Kunststoff namens „Royalex“. Nicht zuletzt bei der Reifenentwicklung ließen sich die Uniroyal-Mitarbeiter gute Sachen einfallen: beispielsweise die erste computergesteuerte Reifenentwurfmaschine, die half, Zeit bei der Entwicklung zu sparen. Oder die Nylonbandage des Stahlgürtels, die bis heute üblich ist.

1969 ist das Geburtsjahr des ersten Regenreifens. Dieser „rallye 180“ getaufte Pneu wurde zum Bestseller. Später war es auch die Werbung, die hohe Aufmerksamkeit erregte. Für die Affenspots heimste Uniroyal etliche wertvolle Preise ein. Noch Jahre später sind sie ein Begriff.

Stahlgürtelreifen hatten 1970 erst einen Anteil von 15 Prozent im Ersatzgeschäft - Uniroyal war frühzeitig am Trend beteiligt: Nach Michelin war Uniroyal die erste Firma mit dieser neuen Technik. Die Hologramm-Interferometrie zur Überprüfung und Aufdeckung von Reifenschäden wurde bei Uniroyal entscheidend verbessert. Mit Verkehrsuntersuchungen sorgte Uniroyal über sichere Reifen hinaus für eine Verbesserung der Verkehrssicherheit, förderte grundlegende Erkenntnisse.

1979 wurde Uniroyal Englebert in die Continental-Gruppe integriert, die heute Europas größter Pkw-Reifenhersteller ist. Auch unter dem Konzerndach bleibt die Marke ein Garant für Reifen mit einem Plus an Sicherheit auf nassen Straßen. Zu den Produkten gehören inzwischen Pkw- und 4x4-Reifen. In nahezu allen Test beurteilen europäische Fachmagazine die Reifen, die von einem eigenen Uniroyal-Team im Forschungs- und Entwicklungszentrum in Hannover konzipiert werden, mit „empfehlenswert“. Im Aachener Stammwerk werden heute nicht nur Uniroyal-Reifen hergestellt – auch Pneus von Continental kommen aus den Heizpressen. Dabei hat sich die Fabrik in der alten Kaiserstadt längst einen Namen für die Produktion technisch aufwändiger Pkw-Reifen für die Erstausrüstung gemacht, auch kompliziert herzustellende Reifen mit Notlaufeigenschaften (SSR) werden hier hergestellt. Inzwischen arbeiten bei Continental / Uniroyal in Aachen rund 1300 Mitarbeiter, der Reifenversuch in Aachen nutzt als Teststrecke die legendäre Nordschleife des Nürburgrings.

Der belgische Gummiwarenhersteller Englebert produzierte seit 1895 Reifen, unter anderem für die Continental AG. Ab 1958 hieß die Firma nach dem Zusammenschluss mit US Rubber dann Uniroyal Englebert. Uniroyal, der Erfinder des Regenreifens, ist seit 1979 eine europäische Marke der Continental AG, Hannover.

Der Konzern gehört mit einem anvisierten Umsatz von 25 Mrd. Euro im Jahr 2008 weltweit zu den führenden Automobilzuliefe­rern. Als Anbieter von Reifen, Bremssystemen, Systemen und Komponenten für Antrieb und Fahrwerk, Instrumentierung, Info­tainment-Lösungen, Fahrzeugelektronik und technischen Elasto­merprodukten trägt das Unternehmen zu mehr Fahrsicherheit und zum Klimaschutz bei. Continental ist darüber hinaus ein kompe­tenter Partner in der vernetzten, automobilen Kommunikation. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 146.500 Mitarbeiter an nahezu 200 Standorten in 36 Ländern.

Jeder vierte Reifen in Europa wird von Marktführer Continental hergestellt. In der Erstausrüstung fahren sogar mehr als 30 Pro­zent aller europäischen Neuwagen auf Continental-Reifen aus den Werkshallen. Die Reifen-Divisionen sind ein Offizieller Sponsor der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2010™ in Südafrika. Weitere Informationen hierzu finden Sie unter www.ContiSoccerWorld.de.

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Klaus Engelhart
Continental AG
Rubber Group
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Division Pkw-Reifen
Büttnerstr. 25
D-30165 Hannover

Telefon: +49 (0) 511/ 938 2285
Fax: +49 (0) 511/ 9382455

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